Nicht nur bei älteren Patienten und Patientinnen wird empfohlen, die verfügbaren Impfungen einzusetzen, heißt es aus der Infektiologie: „Wenn wir in der Prophylaxe besser werden, brauchen wir weniger Medikamente“, betonte der Pneumologe Prof. Dr. med. Rembert Koczulla (Schönau am Königssee).
Auf dem Höhepunkt der Grippewelle diskutierten Infektiologinnen und Infektiologen in München, wie man schweren Verläufen bei akuten respiratorischen Erkrankungen vorbeugen kann. Besonders ältere Erwachsene und Patienten bzw. Patientinnen mit Vorerkrankungen gehören zu den Risikogruppen. Hier appellierte Koczulla, neben Therapeutika das Potenzial der verfügbaren Impfungen auszunutzen: „Wir haben sehr viele Mittel, die wir bislang nicht ausreichend ausgeschöpft haben.“
Er erläuterte anhand aktueller Daten, dass die Mortalität bei Infektionen mit SARS-CoV-2 weiter höher sei als bei Influenza – beides impfpräventable Erkrankungen.
Bei SARS-CoV-2 werden aktuell mindestens 3 Antigenkontakte als essenziell angesehen. Der Abstand von 12 Monaten zur letzten Infektion oder Impfung sei nicht definiert, betonte PD Dr. med. Ulrich Seybold (München). Für Risikopatienten und -patientinnen bestehe weiter die Möglichkeit, frühzeitig antiviral zu therapieren, etwa mit Nirmatrelvir/Ritonavir.
Nur einmal gegen Pneumokokken impfen
Die Impfung gegen Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) werde endlich einfacher, erläuterte Seybold: Mit dem neuen 20-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PCV20 brauche man in allen Indikationskategorien ab 18 Jahren nur 1 × impfen. Wer vorgeimpft sei, solle statt der nächsten PPSV23-Dosis nur noch 1 × PCV20 erhalten. Somit entfallen indikationsabhängige Unterscheidungen zwischen verschiedenen Impfstoffen und Impfschemata sowie zuvor nötige Auffrischimpfungen. Pneumokokken gelten als häufigste Erreger bakterieller Koinfektionen bei hospitalisierten Erwachsenen mit RSV oder Influenza. Ein Achtel der Todesfälle mit resistenten Bakterien im stationären Setting gehen auf Pneumokokken zurück. Seybold monierte, dass nicht einmal jeder 4. Mensch mit einer medizinischen Indikation gegen Pneumokokken geimpft sei. Er appellierte, die Chance zu nutzen, „jeden, der eine Impfung braucht, dann zu impfen, wenn wir ihn gerade sehen“.
Risikogruppen beim respiratorischen Synzytial-Virus
Bei RSV-Infektionen gibt es verschiedene Altersgipfel, neben Kleinkindern und Teenagern sind Ältere besonders gefährdet, Komplikationen zu erleiden. Hier steht ein rekombinanter Proteinimpfstoff zur Prävention zur Verfügung, der für Ältere und auch für die maternale Impfung bei Schwangeren zugelassen ist – der elegantesten Strategie zum Schutz von Neugeborenen.
Symposium „Respiratorische Atemwegserkrankungen im Kontext des demographischen Wandels: Herausforderungen und Perspektiven für Prävention und Therapie“ anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung von DGI und DZIF (Veranstalter: Pfizer Deutschland GmbH), München, Februar 2025