Eine internationale Arbeitsgruppe untersuchte, wie viele Menschen weltweit wegen Antibiotikaresistenzen zwischen 2019 und 2021 gestorben sind. Zudem erstellten sie aus dem umfangreichen Datenmaterial eine Prognose: 2050 werden weltweit 1,91 Millionen Todesfälle direkt auf eine Antibiotikaresistenz zurückzuführen sein.
Seit Jahren wird die zunehmende Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe (Antimicrobial Resistance, AMR) beklagt. Wie gefährlich diese Entwicklung weltweit ist, hat ein internationales wissenschaftliches Team jetzt anhand der Sterberate durch Antibiotikaresistenzen für die Jahre 2019–2021 untersucht. Dabei wurde unterschieden zwischen Todesfällen, die direkt auf die AMR zurückzuführen sind, und solchen, die im weiteren Sinne mit AMR im Zusammenhang stehen.
In diese aktuelle Analyse flossen Daten zu 22 Krankheitserregern, 84 Erreger-Wirkstoff-Kombinationen und 11 infektiösen Syndromen aus 204 Ländern und Territorien ein. Aufgeschlüsselt wurden die Ergebnisse nach Altersgruppen und Weltregionen (Zentral- und Osteuropa + Zentralasien, Lateinamerika + Karibik, Nordafrika + Mittlerer Osten, Südasien, Südostasien, Ostasien + Ozeanien, Afrika südlich der Sahara sowie Länder mit hohem Einkommen). Insgesamt umfasste das Datenmaterial 520 Millionen Einzelaufzeichnungen oder Isolate. Relevante Ergebnisse:
Aus der Datenfülle errechnete das Wissenschaftlerteam eine Prognose für 2050. Danach ist weltweit mit 1,91 Millionen Toten aufgrund von AMR zu rechnen, und etwa 8,22 Millionen Menschen werden an einer Erkrankung sterben, die im weiteren Sinne im Zusammenhang mit einer AMR steht. Die höchsten AMR-Sterblichkeitsraten werden in Südasien, Lateinamerika und in der Karibik erwartet. Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen wird der Anstieg der Todesfälle, die auf AMR zurückzuführen sind, voraussichtlich bei den über 70-Jährigen am größten sein.
Nach einem anderen Szenario errechnete die Epidemiologengruppe, dass es nicht so weit kommen muss: Mit einer besseren Versorgung, v. a. bei schweren Infektionen und besserem Zugang zu Antibiotika, könnten über alle Altersgruppen hinweg zwischen 2025 und 2050 kumulativ 92,0 Millionen Todesfälle vermieden werden. Ebenso könnten Interventionen wie Infektionsprävention, Impfungen, weniger Antibiotika in der Landwirtschaft sowie die Erforschung neuer Antibiotika die prognostizierten Mortalitätsraten verringern.
GBD 2021 Antimicrobial Resistance Collaborators, Lancet 2024; 404: 1199–226