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Sicherheitsmängel in der elektronischen Patientenakte 3.0

24.2.2025

Die elektronische Patientenakte (ePA) kommt im Februar 2025 für alle, die ihr nicht widersprechen. In der Akte sollen langfristig sämtliche Gesundheitsinformationen der rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten zusammenfließen. Aus den Gesundheitsdaten lassen sich jedoch sensible Informationen zu jeder versicherten Person ableiten. Deshalb gilt eine derartige Datensammlung als besonders schützenswert und – ist zugleich bei Forschergruppen, aber auch Kriminellen hoch begehrt. Beim Chaos Communication Congress 38C3 Ende vergangenen Jahres wurden nun Schwachstellen in der elektronischen Patientenakte (ePA) 3.0 aufgedeckt.

Den Sicherheitsforschern Bianca Kastl und Martin Tschirsich ist es gelungen, an gültige Heilberufs- und Praxisausweise sowie an Gesundheitskarten von dritten Personen zu gelangen. Kastl ist Vorsitzende des Innovationsverbunds Öffentliche Gesundheit e. V. und Kolumnistin bei netzpolitik.org. Tschirsich ist beim Chaos Computer Club aktiv und arbeitet im Bereich der Informationssicherheit.

Konkret Identifizierten die beiden folgende Sicherheitsprobleme:

* Fehlerhafte Sicherheitsmechanismen: Schwachstellen in den Spezifikationen ermöglichen es, Zugriffstoken ohne Gesundheitskarte zu erstellen.

* Manipulation von Gesundheitskarten: Elektronische Gesundheitskarten können durch einfache Anrufe bei Krankenkassen auf fremde Namen bestellt werden. Die nötige Zeit für einen Angriff beträgt oft weniger als 20 Minuten.

* Fehlende PIN-Abfrage: Ab der Version 3.0 entfällt die PIN, so dass nicht einmal der physische Besitz einer Karte für den Zugriff erforderlich ist.

* SQL-Injection und gefälschter IT-Support: Angriffe auf Kartenherausgeberportale sowie der Kauf gebrauchter Kartenterminals ermöglichten die Manipulation von Patientendaten.

Tschirsich und Kastl kritisieren weiter, dass viele dieser Schwachstellen seit Jahren bekannt sind, jedoch nicht behoben wurden. Bereits vor Jahren hatte man ähnliche Mängel bei Heilberufsausweisen und Praxiszugängen festgestellt. Sie fordern deshalb:

* Transparente Kommunikation: Versicherte müssen besser über die Risiken der ePA informiert werden.

* Unabhängige Sicherheitsbewertung: Eine objektive Prüfung der Schwachstellen soll das Vertrauen in die ePA stärken.

* Sichere und staatliche digitale Infrastruktur: Kastl fordert eine öffentliche, sichere Plattform für die lebenslange Patientenakte.

Koch MC: 38C3: Große Sicherheitsmängel in elektronischer Patientenakte 3.0 aufgedeckt. Newsticker Heise-Verlag, Hannover, 27.12.2024 (https://www.heise.de/news/38C3-Weitere-Sicherheitsmaengel-in-elektronischer-Patientenakte-fuer-alle-10220617.html).

Tschirsich, M. und Kastl, B., Das Narrativ der sicheren elektronischen Patientenakte ist nicht mehr zu halten“„Konnte bisher noch nie gehackt werden“: Die elektronische Patientenakte kommt – jetzt für alle!https://media.ccc.de/v/38c3-konnte-bisher-noch-nie-gehackt-werden-die-elektronische-patientenakte-kommt-jetzt-fr-alle#t=1373 [letzter Zugriff am 06.01.25]

Leisegang, D..„Das Narrativ der sicheren elektronischen Patientenakte ist nicht mehr zu halten“, https://netzpolitik.org/2024/chaos-communication-congress-das-narrativ-der-sicheren-elektronischen-patientenakte-ist-nicht-mehr-zu-halten/ [letzter Zugriff am 06.01.25]

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