Heiße Temperaturen verursachen Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen und können zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Darüber hinaus erschweren die erhöhten Temperaturen die Versorgung chronischer Wunden. Damit steht das Gesundheitssystem vor neuen Herausforderungen.
In Deutschland gab es im Jahr 2024 nach der Definition des Deutschen Wetterdienstes rund 12,5 heiße Tage mit einer Höchsttemperatur von mindestens 30 °C. Solch hohe Temperaturen können zu einem Anstieg der Mortalität führen. „Ältere Erwachsene, genauer Personen ab 75 Jahren sowie Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sind besonders gefährdet. Die hitzebedingte Mortalität steigt in dieser Gruppe signifikant an“, berichtete Prof. Dr. med. Markus Gosch, Chefarzt des Zentrums für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg. Zudem wurde für nicht klimatisierte Pflegeheime eine 3-fach erhöhte Sterberate während Hitzeperioden gegenüber klimatisierten Pflegeheimen nachgewiesen.
Gosch wies darauf hin, dass sich bei hohen Temperaturen Nebenwirkungen von Medikamenten verstärken oder verändern können. So können beispielsweise Diuretika, ACE-Hemmer und Sartane das Durstgefühl verringern und zur Dehydratation führen. Darüber hinaus kann es beispielsweise bei Lithium in der Folge zu einer erhöhten Toxizität kommen, da Dehydratation die Konzentration des Wirkstoffs im Körper erhöht.
Ein dauerhafter, durch den Klimawandel beschleunigter Anstieg der Umgebungstemperatur kann auch zu höheren Antibiotikaresistenzraten führen. „Studien zeigen, dass wärmere Durchschnittstemperaturen mit einem erhöhten Risiko für Besiedlung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern verbunden sind“, erläuterte der Experte.
Erhöhtes Infektionsrisiko
Steigende Temperaturen und vermehrte Feuchtigkeit reizen die Haut und steigern damit das Risiko für Infektionen. Gosch dazu: „Der Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg haben erhebliche Auswirkungen auf die Häufigkeit postoperativer Wundinfektionen.“ Daten aus dem deutschen Surveillance-System für nosokomiale Infektionen (OP-KISS) zeigen, dass das Risiko postoperativer Wundinfektionen mit jedem Grad Celsius Temperaturanstieg um etwa 1 % steigt. Bei Temperaturen von 20 °C oder höher traten signifikant mehr Wundinfektionen auf als bei Temperaturen unter 5 °C. „Höhere Temperaturen können zu einer Verschiebung des Infektionsspektrums führen, wobei gramnegative Keime, die beim Menschen vor allem im Darm vorkommen, häufiger auftreten“, fügte Gosch hinzu.
Präventionsstrategien
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Präventionsstrategien anzupassen und Maßnahmen zu ergreifen. „Eine große Herausforderung wird es sein, die Wundversorgungskonzepte an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Wir werden in Zukunft unsere diagnostischen Überlegungen erweitern müssen. Der Fokus muss hier auf der Prävention liegen. Aufklärung und Hitzeschutzmaßnahmen müssen viel stärker kommuniziert werden“, so das Fazit des Internisten.
Symposium „Klimawandel und Wunden“ anlässlich des 7. Nürnberger Wundkongresses in Nürnberg, Dezember 2024