Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat seine Anforderungen an die Diagnostik und Behandlung im Disease-Management-Programm (DMP) Asthma bronchiale aktualisiert. Grundlage war die Auswertung neuer Leitlinienempfehlungen durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das DMP Asthma bronchiale gehört mit rund einer Million eingeschriebenen gesetzlich Krankenversicherten zu den größten Programmen für chronisch Erkrankte.
Unter anderem wurden die Empfehlungen zu den medikamentösen Maßnahmen grundlegend überarbeitet. Die Behandlung soll nun nach einem Stufenplan bedarfsgerechter gesteuert werden: bei Erwachsenen werden fünf Stufen unterschieden, bei Kindern und Jugendlichen sechs Stufen. Die Stufenpläne geben vor, wie die Wirkstoffgruppen in Abhängigkeit vom Grad der Asthmakontrolle kombiniert und nach welchen Kriterien die Therapie intensiviert oder reduziert werden sollte.
Neu: Maßnahmen bei Jugendlichen und allgemeine Krankengymnastik
Es wird zudem ein neuer DMP-Abschnitt im Bereich „Therapieplanung“ eingeführt, um spezielle Themen für Jugendliche – wie beispielsweise den Wechsel in die Erwachsenenmedizin – adressieren zu können. Des Weiteren kommt im Bereich „therapeutische Maßnahmen“ der Hinweis auf eine allgemeine Krankengymnastik mit dem Schwerpunkt Atemtherapie als Ergänzung der nicht-medikamentösen Behandlung hinzu. In geeigneten Fällen (z. B. bei Koinzidenz von Asthma bronchiale und dysfunktionaler Atmung) kann daher Krankengymnastik-Atemtherapie/Physiotherapie unter Beachtung der Heilmittel-Richtlinie verordnet werden.
Stärkere Unterstützung des Selbstmanagements, angepasste Lufu-Stufendiagnostik
Die DMP-Aktualisierung betont noch deutlicher, wie wichtig das Erlernen von Selbsthilfetechniken zur Linderung von Atemnot ist. Zudem kann die US-App „Propeller Health“ (Reciprocal Labs/ResMed) die Selbstmanagementkompetenz unterstützen. Sie erinnert beispielsweise an das Inhalieren der Medikamente.
Um die Obstruktion besser zu charakterisieren, ersetzen die neueren GLI-Sollwerte (GLI: Global Lung Initiative) den bisherigen Messwert. Denn die neuen GLI-Sollwerte vermeiden eine Überschätzung der Obstruktion bei älteren Menschen und eine Unterschätzung bei jungen Menschen, so teil der G-BA mit.
Umsetzung der Aktualisierungen nach BMG-Begutachtung
Der Beschluss wird in Kürze auf der Website des G-BA veröffentlicht und parallel dazu dem Bundesministerium für Gesundheit zur rechtlichen Prüfung vorgelegt. Nach Nichtbeanstandung tritt er am ersten Tag des auf die Veröffentlichung im Bundesanzeiger folgenden Quartals in Kraft. Innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten müssen die bestehenden DMP-Verträge zwischen Krankenkassen, Arztpraxen und Krankenhäusern an die neuen Anforderungen angepasst werden.
Pressemitteilung „G-BA aktualisiert DMP Asthma bronchiale“. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Berlin, 20.7.2023 (https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1122/).