Prävalenz und Inzidenz der Adipositas wachsen in einem atemberaubenden Tempo – und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Betroffen sind alle Altersgruppen und als „Hausarzt der Frau“ müssen Gynäkologen und Gynäkologinnen sich dieses Themas annehmen, um die Chance auf Prävention zu nutzen.
Die Ursachen und Faktoren zur Entwicklung der Adipositas sind vielfältig, die Auswirkungen noch vielfältiger. Das Frühstückssymposium gleich am Donnerstagmorgen um 8 Uhr nahm diese zunehmend wichtige Indikation in den Fokus. Dr. med. Katrin Schaudig (Hamburg) erläuterte, warum Adipositas vor allem in die gynäkologische Praxis gehört: „Junge und ansonsten gesunde Frauen sehen keine anderen Ärzte als uns. Und deshalb müssen wir Frauenärztinnen und Frauenärzte uns des Themas annehmen.“ Aus ihrer Praxis berichtete sie: „Eine Patientin, die ganz lange schon mit massivem Übergewicht kämpft, habe ich kürzlich gefragt, was sie denn am meisten belastet. Dann sagte sie: das soziale Stigma. Diese Frauen sind unglücklich, aber können es nicht ändern.“
Wichtig ist vor allem die zentrale Adipositas, die mit einer Insulinresistenz einhergeht. Im jüngeren Alter kommen die Frauen wegen endokriner Störungen. Wenn die Patientin dann älter wird, kommt es zu metabolischen Syndromen und zu den entsprechenden kardiovaskulären Folgeschäden (Abb.).
Alle Altersklassen sind betroffen. Bereits mit 18 bis 29 Jahren ist es jede 10. Frau und der Anteil nimmt mit dem Alter zu. „Sie wissen, dass ich mich besonders mit der Menopause beschäftige“, sagte Dr. Schaudig, „und zwischen 45 und 64 Jahren sind es dann schon ein Viertel der Frauen.“
Anhand von Patientinnenbeispielen aus allen Altersgruppen stellte sie Optionen für die Praxis vor. Bei jungen Frauen sind die häufigsten Probleme Zyklusstörungen und Androgenisierungssymptome, etwa im Zuge eines PCOS. Und immer wieder das Thema Infertilität. Mit zunehmendem Alter rücken Folgeerkrankungen (metabolisches Syndrom, Diabetes, Karzinomhäufung) in den Vordergrund.
Dr. Schaudig appelierte an alle: „Prävention beginnt bereits in der Schwangerschaft – für das ungeborene Kind, das vielleicht auch mal ihre Patientin wird.“ Beratung zu Lifestyle und Ernährung mit dem Ziel einer Gewichtsabnahme sollten generell Teil der gynäkologischen Betreuung von Frauen sein.
Frühstückssymposium „Adipositasbehandlung in der gynäkologischen Praxis“ (Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH)