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Abrechnung

Dengue-Fieber

In Deutschland bisher nur bei Reiserückkehrenden

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter

4.4.2025

Dengue-Fieber tritt insbesondere in Südostasien, Pakistan, Afghanistan und Indien, Süd- und Mittelamerika, Neukaledonien und Hawaii, Afrika sowie Australien auf. Mit der Klimaerwärmung ist mittlerweile aber auch in anderen Gebieten mit einem vermehrten Vorkommen von Dengue-Infektionen zu rechnen.

Der Klimawandel führt dazu, dass in immer mehr nicht tropischen Ländern die Temperaturen und entsprechend auch die Luftfeuchtigkeit steigen: feucht-warmes Klima, wie es die Aedes-Mücken, die eigentlich hauptsächlich in tropischen und subtropischen Gebieten vorkommen, lieben. Deshalb breiten sich diese auch in Europa weiter aus. Und damit breiten sich auch verschiedene Krankheiten aus, für die diese Mücken als Erregerreservoir gelten. In einigen Regionen und Ländern in Südeuropa gab es schon Ausbrüche von Dengue-Fieber, darunter Madeira, Kroatien, Frankreich, Spanien und Italien. Wenn auch die Tigermücke bereits in einigen Teilen Deutschlands beheimatet ist, kam es hierzulande noch nicht zu einer Übertragung. Aber die zunehmende Globalisierung und die Reiselust der Deutschen führen schon jetzt dazu, dass auch in Deutschland die Anzahl der Dengue-Erkrankungen deutlich steigt.

Infektionsweg und Symptomatik

Das Dengue-Virus, ein 40 – 60 nm großes RNA-Virus mit eigener Hülle, gehört zur Familie der Flaviviren. Es wird zumeist durch den Stich von weiblichen Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) übertragen – meistens früh morgens und abends in der Dämmerung. Die Inkubationszeit beträgt 3 – 14 Tage, in der Regel 7– 10 Tage.

Die leichte bis mittelschwere Symptomatik ist gekennzeichnet von Fieber (bis 40 °C) mit Schüttelfrost und starken Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Nur bei etwa 20 % der Infizierten tritt zusätzlich ein Exanthem auf (Dengue-Trias). Das Fieber kann ­biphasisch verlaufen. Die meisten Patientinnen und Patienten erholen sich innerhalb weniger Tage.

Gelegentlich tritt als Spätmanifestation ein diffuser Haarausfall auf, der bis zu 2 Monaten nach Krankheitsbeginn in Erscheinung treten kann. Grundsätzlich bleiben jedoch rund 80 % der Infektionen symptomlos.

Schwere Verläufe

Insgesamt sind schwere Verläufe eher selten (5 %), nach der Zweitinfektion gegenüber der Erstinfektion aber etwa 9-fach erhöht. Nach einer weiteren Infektion sind die Verläufe meistens milde.

Schwere Verläufe können mit Komplikationen wie dem hämorrhagischen Dengue-Fieber und dem Dengue-Schock-Syndrom einhergehen. Dabei kann es zu Blutungen, Organversagen und Kreislaufkollaps kommen. Ohne Behandlung können 40–50 % dieser Fälle tödlich enden; wird eine Therapie rechtzeitig begonnen, liegt die Sterberate bei 1 % oder darunter.

Diagnostik

Die unspezifischen Anfangssymptome erschweren die Diagnostik. Zu den Ausschlussdiagnosen zählen unter anderem Influenza, Chikungunya-Fieber, Gelbfieber, die West-Nil-Virus-Infektion oder Malaria. Der Erregernachweis muss während der virämischen Phase in den ersten 4–5 Tagen der Erkrankung mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ­erfolgen.

Meldepflicht

In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht eine Meldepflicht bei Erkrankung, Tod, direktem und indirektem Erregernachweis sowie bei hämorrhagischem Krankheitsverlauf. Diese gilt auch schon für den Verdacht auf das Vorliegen einer Dengue-­Infektion.

Der Fall
Beschwerden nach der Reise

Der Patient, 57 Jahre alt, stellt sich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen in der Praxis seines Hausarztes vor. Er berichtet, dass er beruflich für 3 Wochen in Südamerika gewesen und gestern zurückgekommen sei. ­Seiner Frau sei ein Hautausschlag bei ihm aufgefallen, weshalb er sich nun vorstelle. In der Region, in der er sich aufgehalten habe, sei auch das Dengue-Virus bekannt. Der Patient wird untersucht, wobei am Stamm ein Hautausschlag zu sehen ist. Dieser wird dermatoskopisch untersucht, ohne dass dabei Besonderheiten festzustellen sind. Zusätzlich wird zum Ausschluss einer Leber- und Milzvergrößerung eine Oberbauchsonografie durchgeführt. Schließlich wird eine Blutprobe entnommen und zur Diagnostik ins Labor geschickt.

Labordiagnostik

Bei V. a. Dengue-Fieber werden die Blutproben speziell auf das Virus oder Antikörper gegen das Virus untersucht. Dazu gibt es verschiedene Nachweismöglichkeiten:

  1. DENV-Schnelltest: Dieser dient dem Nachweis des viralen DENV-NS1-Antigens im Blut.
  2. Antikörpernachweis gegen DENV vom Typ IgG und IgM.
  3. Nachweis viraler RNA der DENV-Serotypen 1– 4 mittels DENV-RNA-PCR (nur bis zum fünften Erkrankungstag möglich).

Die Therapie

Die Behandlung von Dengue-Fieber konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und bei hämorrhagischem Dengue-Fieber auf die intravenöse Verabreichung von Flüssigkeit und Blutprodukten. Ohne weitere diagnostische Erkenntnisse sollte für diese Fälle kein Medikament mit blutverdünnenden Eigenschaften verabreicht werden, da das Dengue-Virus Hämorrhagien verursachen kann. Der verunsicherte Patient wird eingehend (über 25 Minuten) über das Krankheitsbild und den Erreger aufgeklärt. Er bekommt ein fiebersenkendes Analgetikum verordnet und wird über weitere Maßnahmen zur Fiebersenkung (kühlende Wadenwickel, kühlende Getränke, viel Flüssigkeit) instruiert.

Zudem wird der Patient über die bestehende Meldepflicht informiert und auch darüber, dass die Praxis diese Meldung vornehmen wird.

Abschließend wird mit dem Patienten ein Kontrolltermin in 3 Tagen vereinbart.

Meldepflicht!

Da die Meldepflicht in diesem Fall schon beim Verdacht auf eine Infektion mit dem Dengue-Virus besteht, wird noch am gleichen Tag das Gesundheitsamt über den Verdachtsfall informiert.

Die Abrechnung

Die Diagnose Dengue-Fieber erforderte eine eingehende Aufklärung des Patienten, die mit einem erhöhten Zeitaufwand verbunden war. Hier kann die Erörterungsleistung nach der GO-Nr. 34 bei entsprechendem Zeitaufwand durchaus mit gesteigertem Faktor berechnet werden. Für diesen Fall ist natürlich eine entsprechende Begründung anzufügen. Denkbar wäre z. B.: „erhöhter Zeitaufwand bei seltenem Krankheitsbild“ oder „zeitaufwendige Erörterung“.

Kontrolluntersuchung

Der Patient stellt sich vereinbarungsgemäß 3 Tage später wieder vor. Es gehe ihm gut und er habe auch kein Fieber mehr. Die körperliche Untersuchung ist ohne pathologischen Befund, auch die Hautveränderungen sind verschwunden. Nach der symptombezogenen Untersuchung wird das Krankheitsbild nochmals mit dem Patienten erörtert.

Der Autor

Dr. med. Dr. rer. nat. Peter Schlüter
Arzt für Allgemeinmedizin
Arzt für Naturheilverfahren
76684 Tiefenbach
schlueter@vital-arzt-praxis.de
www.vital-arzt-praxis.de

Dr. Dr. Peter Schlüter ist promo­vierter Naturwissenschaftler und ­Mediziner. Seit 1982 ist er als Arzt für Allgemein­medizin mit betriebs­­wirtschaftlich ­opti­mierter Praxis nieder­gelassen. Als Berater zu allen ­Fragen der Praxisorganisation, Praxis­manage­­ment und ­Abrechnung ist er seit 1987 tätig.

Bildnachweis: privat

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