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ADHS

Medikamente helfen bei ADHS besser als andere Interventionen

25.3.2025

Die Ergebnisse einer in „Lancet Psychiatry“ publizierten Metaanalyse zeigen, dass der Einsatz von Stimulantien und Atomoxetin zur kurzfristigen Reduktion von ADHS-Kernsymptomen die erste Wahl bei der Behandlung von ADHS bei Erwachsenen ist. Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Bonn (UKB) sowie der University of Oxford, der University of Southampton und des Psychology Services London hat hierzu die Wirksamkeit und Akzeptanz pharmakologischer, psychologischer und neurostimulierender Interventionen bei Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen untersucht.

In aktuellen Leitlinien spielt die pharmakologische Behandlung eines ADHS bei Erwachsenen eine herausragende Rolle. Zu nicht-pharmakologischen Behandlungsmethoden gab es in den letzten Jahren immer mehr randomisierte kontrollierte Studien.

Netzwerkanalyse aus über 100 Studien

Deswegen wurde die bislang größte Netzwerk-Metaanalyse von Daten aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zum Vergleich einer breiten Palette verfügbarer Medikamente und nicht-pharmakologischer Behandlungen für Erwachsene mit ADHS anhand mehrerer Endpunkte durchgeführt. Dafür wurden 2 416 Datensätze aus 113 einzigartigen RCTs (14 887 Teilnehmende, 45,6 % Frauen) zu pharmakologischen Therapien, psychologischen Therapien und neurostimulierenden Therapien sowie Neurofeedback geprüft. In Bezug auf die Wirksamkeit wurde eine Verringerung der Schwere der ADHS-Symptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität) untersucht. Daneben wurden die Akzeptanz, die Verträglichkeit, die Emotionale Dysregulation, exekutive Funktionen und der Einfluss auf die Lebensqualität genauer analysiert. „Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass es keine universelle Lösung für die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter gibt. Neben der kurzfristigen Wirksamkeit pharmakologischer Ansätze ist es entscheidend, auch nicht-pharmakologische Methoden weiter zu untersuchen und individuell abgestimmte Behandlungsstrategien zu entwickeln“, sagt Prof. Dr. med. Alexandra Philipsen, kommissarische Ärztliche Direktorin des UKB und Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Ergebnisse im Vergleich zu Placebo

Nur Stimulantien und Atomoxetin als Therapien schnitten bei den Symptombewertungen durch Kliniker und bei der Selbstbewertung besser ab als die Placebo-Bedingungen und zeigten Anzeichen für positive Auswirkungen bei der kurzfristigen Reduzierung der ADHS-Kernsymptome. Kognitive Verhaltenstherapie, kognitives Training, Achtsamkeit, Psychoedukation und transkranielle Gleichstromstimulation schnitten nur bei Fremdbeurteilungen von Klinikern besser ab als Placebo. Außerdem fand man bezüglich der Akzeptanz heraus, dass fast alle Behandlungen ähnlich wie Placebo abgeschnitten haben. Die Medikamente waren weniger verträglich als Placebo. Auf die exekutive Dysfunktion und die Lebensqualität konnten keine Auswirkungen festgestellt werden, ADHS-Medikamente waren nicht wirksam bei der Verbesserung dieser Bereiche.

Notwendigkeit weiterer Langzeitstudien

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Langzeitstudien, um die langfristige Wirksamkeit und Akzeptanz von ADHS-Behandlungen besser zu verstehen. Ein besonderer Fokus sollte auf der Kombination pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Strategien liegen, um sowohl Symptome zu lindern als auch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. „Die Abwägung zwischen positiven Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten ist zentral, insbesondere da Langzeitbeweise für ADHS-Medikamente begrenzt sind. Es besteht ein klarer Bedarf an weiteren Studien, um sowohl alternative Medikamente als auch nicht-pharmakologische Strategien und deren Kombinationen langfristig besser bewerten zu können“, sagt Dr. Marcel Schulze, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKB.

* Pressemitteilung „Wirksamkeit und Akzeptanz pharmakologischer, psychologischer und neurostimulierender Interventionen bei ADHS bei Erwachsenen“. Universitätsklinikum Bonn (UKB), 18.12.2024 (https://www.medfak.uni-bonn.de/de/fakultaet/nachrichten/wirksamkeit-und-akzeptanz-pharmakologischer-psychologischer-und-neurostimulierender-interventionen-bei-adhs-bei-erwachsenen)

* Ostinelli EG et al.: Comparative efficacy and acceptability of pharmacological, psychological, and neurostimulatory interventions for ADHD in adults: a systematic review and component network meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2025 Jan;12(1):32-43 (DOI 10.1016/S2215-0366(24)00360-2).

* Rainer H. Bubenzer, Eichstädt bei Berlin, 22. Januar 2025.

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